125 Jahre Württembergischer Pferdesportverband - Schwäbischer Reiterverein
von Gabriele Knisel-Eberhard (Kommentare: 0)

Ein Verband mausert sich vom Verein für Offiziere und Adlige zum Verband für alle Pferdesportler und Disziplinen
Am 11. März 1901 war es so weit, der Schwäbische Reiterverein, Vorläufer des Württembergischen Pferdesportverbandes (WPSV) wurde gegründet. Aus den Anfangsjahren ist wenig Archivmaterial vorhanden, Material aus den 30er Jahren wurde dem Verband von Else Schöllkopf, Richterin aus Heilbronn und Urgestein der damaligen Zeit, und Karl Meidinger aus Stuttgart überlassen.
Zweck und Ziel des neu gegründeten Vereins war: “ Durch Veranstaltung von Hindernisrennen fördernd auf die Zucht von Ausbildung von Jagdpferden einzuwirken und durch Veranstaltung von „Preisreiten“ die Ausbildung und Schulung von Reiter und Pferd für Dressur, Geländereiten und Jagdspringen zu fördern“. Gründungsmitglied war u.a. Rittmeister Georg Keller und erster Vorsitzender Oberst von Alten. Hauptsächlich waren die Mitglieder Offiziere. In den Vorkriegsjahren machten sich hohe Offiziere und Vertreter der Häuser Württemberg, Sachsen-Weimar und anderer Adelshäuser verdient.
Bereits vor dem 1.Weltkrieg wurden „Preisreiten“, wie Turniere damals hießen, in der Reiterkaserne in Cannstatt und dem Cannstatter Wasen durchgeführt. Später gemeinsam mit dem Volksfest. Hindernishöhen zwischen 1.10 und 1.20 m waren für die damalige Zeit respektable Höhen. Das Geläuf auf dem Cannstatter Wasen war zwar für Rennen nicht optimal geeignet, dennoch wurden die vom Schwäbischen Reiterverein veranstalteten Rennen gut beschickt. Während des 1. Weltkrieges kam der Sport mit Pferden zum Erliegen.
1921 begann der Wiederaufbau mit Kurt Beisbarth als Geschäftsführer und Schatzmeister. 1926 begann der Turniersport wieder mit einem Rennen auf dem Rennplatz in Esslingen-Weil, das von 35.000 Zuschauern verfolgt wurde. In diesem Jahr fand auf dem Cannstatter Wasen, im Rahmen der DLG-Ausstellung, ein mehrtägiges Reitturnier mit großer Beteiligung statt. 1927 veranstaltete der Schwäbische Reiterverein sein erstes Hallenturnier, das Stadthallen Turnier, eine Veranstaltung mit internationalem Touch. Zwischen 1930 und Kriegsbeginn fanden Turniere u.a. in Bad Mergentheim, Esslingen, Göppingen, Ebingen, Weingarten und Ludwigsburg statt .
Dr. Eugen Kauffmann, Dressurreiter aus Langenargen, und Kurt Beisbarth betrieben den Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg und am 7. Dezember 1949 trat die neue Satzung in Kraft. Das erste Turnier des Schwäbischen Reitervereins fand bereits 1949 im Rosensteinpark in Stuttgart statt.
Seit 1951 gab es in Württemberg den ländlichen, der von Jacob Schmid (Urspring) geführt wurde, und städtischen Reiterverband. Pioniere der damaligen Zeit waren Karl Meidinger und Paul Stöffler. Ab 1957 wurden auf dem Cannstatter Wasen wieder Turniere ausgerichtet, die erste Württembergischen Meisterschaften im Mannschafts- und
Einzelreiten fanden statt. Ab 1960 wurden bei diesem Turnier bereits württembergische Meisterschaften im Voltigieren ausgetragen.
1964 wurde Regimboto Freiherr von Gültlingen neuer Verbandsvorsitzender, er setzte sich vehement für die Zusammenführung des ländlichen und städtischen Verbandes ein, was am 4. April 1970 gelang. Der neue Verband erhielt den Namen „Verband der Reit- und Fahrvereine in Württemberg, Schwäbischer Reiterverein e.V.“ 1976 übernahm C.H.Knorr aus Heilbronn den Vorsitz und übergab 1982 das Amt an Volker Hahn (Ravensburg). 1990 übernahm Helmut Leitz (Sindelfingen) den Vorsitz, 1997 Manfred Raichle (Kirchheim/Teck), 2003 bis 2007 Gerhard Ziegler (Ditzingen) und seit 2007 ist Frank Reutter aus Wernau der Präsident des Württembergischen Pferdesportverbandes (WPSV).
1986 wurde beschlossen, dass Einzelmitglieder, Firmen und Körperschaften zukünftig nur noch fördernde Mitglieder ohne Stimmrecht sind. 1997 erfolgte die Namensänderung in Württembergischer Pferdesportverband (WPSV) und die Einführung von drei stellvertretenden Vorsitzenden.
Vor 18.377 Mitgliedern im Jahr 1971 konnte die Mitgliederzahl 2003 auf 60087 Mitglieder steigen. Zur Förderung der Jugend wird 1986 das Pilotprojekt Juniorenturnier installiert, das es auch 40 Jahre später, in inzwischen angepasster Variante, noch gibt. 1999 findet das Vergleichsturnier der PSK-Mannschaften in Dressur und Springen erstmalig in Bisingen statt. Das Konzept des Fördergruppenturniers wird 2001 angepasst, zur frühen Sichtung des Nachwuchses U 14 werden die Prüfungen der Klasse L abgeschafft und Wettbewerbe der Klasse E ins Leben gerufen. 2002 findet beim Fördergruppenvergleichsturnier erstmalig ein Stilgeländeritt Klasse E statt. Bis 2021 findet das Turnier in Tübingen statt, seither in Schwendi.
2010 nimmt der WPSV erstmalig am Landwirtschaftlichen Hauptfest (LWH), der Messe Pferde Bodensee und der Ausstellung Animal teil. Ab 2011 wird der Breitensport im Verband intensiviert und 2014 und 2024 finden das Bundespferdefestival in Ellwangen und Blaubeuren unter der Regie des Verbandes statt.
Nach einigen Geburtswehen finden 2016 die ersten Württembergischen Meisterschaften der Neuzeit in Dressur und Springen in Heidenheim statt, seit 2019 in Weilheim.
Inzwischen haben sich die Anforderungen an den Verband gegenüber der Gründung stark verändert, Unterstützung für alle aktiven Pferdesportler in allen Disziplinen im Breiten- als auch Leistungssport, stellen die Verbandsführung immer wieder vor neue Herausforderungen und der Entwicklung von modernen Konzepten.